"Sterben und Auferstehen" in der Fastenzeit
Der Sinn der Großen Fastenzeit
Gott ist im Menschen sichtbar geworden
und hat seinen Platz in der Geschichte der Menschheit eingenommen.
Sein Ruf ist einfach und zugleich radikal:
„Folge mir nach“ — ohne Beweise, Erklärungen oder Garantien.
Zuerst kommt der Weg — dann das Vertrauen.
Der Anfang des Glaubens ist ein Aufbruch:
aus der Komfortzone, aus den eigenen Vorstellungen,
ein Herausgehen aus sich selbst.
Das Fasten ist eine Möglichkeit, mehr zu sehen.
Sich Gott nicht nach dem eigenen Geschmack zu formen,
sondern ihm wirklich zu begegnen.
Ein Leben ohne Gott wird zur Wüste.
Deshalb geht Christus in die Wüste —
vierzig Tage der Stille, des Kampfes und der Prüfung.
Adam bestand im Paradies nicht,
doch Christus blieb im Gehorsam gegenüber Gott standhaft,
denn er lebte aus dem Wort: „Es steht geschrieben…“.
Selbst in der Wüste bedeutet der Gehorsam gegenüber Gott,
das Leben mit Gnade zu erfüllen.
Der Mensch ist zwiespältig:
Er ist zugleich tierisch und Träger des göttlichen Ebenbildes.
Er ist berufen, nicht nur zu leben,
sondern über sich selbst zu herrschen.
„Benennen“ bedeutet, Macht zu haben.
Den eigenen Fehler (die Sünde) zu benennen, ist der erste Schritt zur Freiheit.
Scham, Schmerz und Angst zerstören den Menschen nicht,
wenn er in die Wahrheit eintritt.
Denn die Wahrheit gibt die Herrschaft über sich selbst zurück:
wenn Körper, Instinkte und Emotionen
dem Geist, der Vernunft und dem Willen untergeordnet werden.
Die Sünde erniedrigt den Menschen
und führt ihn zu einem niedrigeren Dasein.
Doch der Kampf dagegen ist nicht abstrakt.
Er ist konkret:
Verantwortung übernehmen,
eine Entscheidung treffen,
auf das kleine Böse verzichten,
sich selbst täglich überwinden.
Sich selbst zu überwinden bedeutet, in die eigene Wüste einzutreten,
nicht vor der Wahrheit zu fliehen,
sondern ihr zu begegnen.
Die Karwoche — der Höhepunkt dieses Weges
Der Weg der Fastenzeit endet nicht in der Wüste.
Er führt nach Jerusalem —
zu den letzten Tagen Christi,
zu seiner Liebe, die bis zum Ende geht.
Dort offenbart sich das wahre Antlitz Gottes:
nicht in Macht, sondern in Demut,
nicht in Herrschaft, sondern im Opfer.
Christus erlebt Verrat,
Einsamkeit, Angst und Schmerz.
Die Nächsten verlassen ihn,
die Welt versteht ihn nicht,
und jene, für die er gekommen ist, weisen ihn zurück.
In Gethsemane tritt er in den tiefsten menschlichen Kampf ein:
die Angst vor Leiden und Tod.
Doch er wählt den Gehorsam:
„Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“
Sein Weg ist der Weg der Liebe bis zum Ende:
durch Gericht, Ungerechtigkeit, Erniedrigung und das Kreuz.
Am Kreuz offenbart sich die Wahrheit:
Gott rettet sich nicht selbst —
er gibt sich selbst hin.
Das Leiden Christi ist keine Niederlage,
sondern der größte Sieg der Liebe über die Sünde.
Sein Tod ist kein Ende,
sondern die Tür zum Leben.
Was das für den Menschen bedeutet
Die Große Fastenzeit führt uns hierher —
zum Kreuz.
Denn wahre Veränderung beginnt dann,
wenn der Mensch nicht nur mit sich selbst kämpft,
sondern lernt zu lieben — auch durch Opfer.
In die eigene Wüste eintreten,
die Wahrheit benennen,
sich selbst überwinden —
das ist erst der Anfang.
Dann kommt die Fülle:
sich von Gott erfüllen lassen
und lernen, so zu leben, wie Christus lebte:
sich selbst hinzugeben,
anderen zu dienen,
keine Angst zu haben zu verlieren —
denn gerade darin entsteht das wahre Leben.
Jesus ist in den Tod gegangen!
Aber Leben ist stärker, als der Tod, Er ist Auferstanden!
